Verwerflich, dass Fussballer ALV Gelder erhalten?

Der Medienwald hat ein Thema aufgegabelt, welches das Volk empört. Einige Challenge League Vereine haben Spieler unter Vertrag, welche zusätzlich zu ihrem Lohn, auch noch Geld von der ALV erhalten. Verständlich, dass dies auf den ersten Blick eigenartig tönt. Doch wer urteilt, sollte vorher näher hinschauen und nicht einfach auf sensationsgeile Medien hören.

Tatsache ist, dass diese Spieler bei Super Ligisten gespielt haben und dann nicht mehr erwünscht waren. Auch sonst erhielten sie offensichtlich keine Angebote mehr aus der Super League. Challenge Ligisten waren allerdings sehr interessiert, hätten aber niemals den Lohn bezahlen können, den diese Spieler vorher erhalten hatten. So machten sie dem Spieler ein Angebot mit deutlich schlechteren Konditionen, als es sich diese Spieler gewohnt waren. Da aber keine besseren Angebote vorlagen, entschieden sie sich darauf einzugehen und gleichzeitig um einen Ausgleich durch die ALV zu bitten, wie dies jeder ehemalige Arbeitslose tun kann, wenn er deutlich weniger verdient, als er es sich vorher gewohnt war.

Verdiene ich zum Beispiel Fr. 8’000.- im Monat gewöhne ich mich an einen höheren Standard und erhalte demzufolge wohl auch höhere Rechnungen monatlich, als ein Arbeiter, der 4’000.- Lohn erhält. Werde ich nun arbeitslos und finde eine Stelle, bei der ich nur noch die Hälfte verdiene, bleiben meine Rechnungen natürlich gleich hoch. Ich kann ja nicht von heute auf morgen mein Leben komplett auf den Kopf stellen. Trotzdem nehme ich die Stelle an und die ALV bezahlt mir einen Ausgleich, damit ich überhaupt durchkommen kann. Dies wird mir natürlich nicht ewig so gestattet, doch habe ich nun die Möglichkeit weiter nach einem höher bezahlten Job zu suchen oder meine Auslagen so zu reduzieren, so dass ich auch mit dem tieferen Lohn leben kann. In dieser Zeit wird die ALV entlastet, da sie mir wesentlich weniger bezahlen muss. Leider sehen aber viele einfach, dass einer Fr. 4000.- Lohn und zusätzlich noch Fr. 3000.- Ausgleich durch die ALV erhält. Die Empörung ist dann gross, da die Hintergründe gar nicht berücksichtigt werden.

So ist es doch auch beim aktuellen Fall im Fussball, wobei in diesem Bereich die Menschen erst recht sensibilisiert sind. Fussballer, welche ihr Hobby zum Beruf haben verdienen auch noch einiges mehr als der Durchschnitts-Arbeitnehmer. Auch da sehen viele einfach den hohen Lohn dieser Spieler, ohne sich weitere Gedanken zu machen. Ein Fussballer kann seinen Beruf meistens höchstens bis zum 35. Lebensjahr ausüben. Danach muss er sich neu orientieren. Weiter gibt es nur wenige Stellen, als Profifussballer. Das Risiko ist also sehr hoch und auch der Druck ist sehr hoch. Fehler werden oftmals in den Medien der ganzen Schweiz thematisiert. Auf vieles müssen die Fussballer zudem verzichten und über geschätzte 15 Jahre ist grosse Disziplin gefordert. Unter all diesen Umständen ist es doch legitim, dass ein Fussballer mehr verdient. Löhne in Millionenhöhe sind da natürlich nicht gemeint, ganz klar. Diese Summen kann auch ich nicht verstehen.

Davide Callà vom FC Aarau ist einer dieser Spieler, welche neben dem Lohn auch noch einen Ausgleich durch die ALV beziehen. Er hat vom FC Aarau die Chance erhalten, sich für einen Super Ligisten zu empfehlen. Dass der FCA keinen Super League Lohn bezahlen kann, versteht sich von selbst. Aber immerhin muss die ALV wesentlich weniger bezahlen, als wenn Callà gar keinen Job hätte. Zudem wäre die Chance, dass er bald wieder mehr verdienen wird vernichtend klein, wenn er sich nirgends beweisen kann.

Wieso also soll daran irgendetwas verwerflich sein? Schliesslich hat Callà in seinem Leben schon eine Menge in die ALV einbezahlt und hat unbestritten das Recht, in dieser Situation davon Gebrauch zu machen. Meiner Meinung nach ist dies eine klare Win-Win Situation. Aarau kann sich preiswert einen vermutlich starken Spieler leisten, welcher gleichzeitig die Chance erhält, sich für einen Vertrag bei einem Super Ligisten zu empfehlen und dabei wird auch noch die ALV massiv entlastet. Wenn jemandem dieses System allerdings nicht passt, dann ist es doch nicht korrekt, dass man Fussballer oder sogar Vereine dafür kritisiert. Weder der Spieler, noch der Verein machen hier etwas verbotenes. Wenn Groll angebracht ist, dann am ehesten gegen die Politik und sicher nicht gegen Spieler oder Fussballvereine. Schliesslich ist das System in der Schweiz so eingerichtet worden und da ist kaum der zu kritisieren, der es nutzt.

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