Der Wunschkandidat schiesst den Vogel ab

Gut, für Basler Verhältnisse ist der Saisonstart der Bebbi schon fast als miserabel zu bezeichnen. Neutral und fair betrachtet, muss man aber sagen, dass auch in Basel Menschen am Werk sind und dass eine Mannschaft meistens erst zusammen wachsen muss. So gesehen sind 5 Siege 6 Remis und nur eine Niederlage gar nicht so schlecht. Wenn jetzt also die Verantwortlichen gekommen wären und als Grund für die Entlassung von Heiko Vogel das Sportliche genannt hätten, wären sie wohl kaum ernst genommen worden. So weit hat man scheinbar auch beim FCB gedacht.

Es musste also ein Grund her, welcher die Öffentlichkeit nicht überprüfen kann und der trotzdem irgendwie noch gut tönt. So hat man also gesucht und gefunden. So sollen «elementar unterschiedliche Auffassungen bei der Definition der sportlichen Ziele» Grund für die Entlassung gewesen sein. Kann keiner überprüfen und tönen tut es, wenn man es nicht so genau anschaut, durchaus gut.

Bloss, wo sollen denn da bitteschön unterschiedliche Auffassungen aufgekommen sein? Dass der FCB mit diesem Budget das Ziel hat, den Meistertitel ein weiteres Mal zu holen, ist ohne Diskussion selbstverständlich. Dasselbe gilt für den Cup. Und was das internationale Geschäft anbelangt, wird Heiko Vogel ja wohl kaum das Ziel ausgesprochen haben, die Gruppenphase nicht zu überstehen. Hingegen gehe ich nicht davon aus, dass sich die Vereinsverantwortlichen ein höheres Ziel stecken wollten. Und selbst wenn, dies hätte kaum zu einer Entlassung Vogels geführt.

Ich habe eher das Gefühl, dass man unbedingt Murat Yakin als Trainer verpflichten wollte. Und zwar nicht erst jetzt. Nein, als Fink den FCB damals in Richtung Hamburg verlassen hatte, hätte man Yakin sehr gerne als Trainer verpflichtet. Nur leider konnte oder wollte dieser den FC Luzern nicht verlassen und so hat man den Vogel als Notnagel eingesetzt. Blöderweise hatte der aber erstaunlich viel Erfolg, erreichte das Achtelfinale der Champions League und die Mannschaft, insbesondere Führungsspieler wie Streller oder Frei, schwärmten in den höchsten Tönen von ihrem Coach. So blieb dem FCB kaum etwas anderes übrig, als Heiko Vogel fest als Übungsleiter zu installieren.

Bekanntlich wurde Murat Yakin Anfangs Saison in Luzern zum Teufel gejagt und dies haben natürlich auch die Vereinsverantwortlichen in Basel registriert. Zudem spielte der FCB noch nicht den Fussball, den man in Basel sehen will. Schliesslich verliessen einige Teamstützen der letzen Saison den Verein und die neuen Zahnräder greifen noch nicht so gut, wie erhofft. Und zu all dem könnte ich mir vorstellen, dass Führungsspieler wie Streller und Frei, aus welchen Gründen auch immer, intern nicht mehr allzu gut über ihren Coach gesprochen haben. Dies alles kam den Verantwortlichen ganz gelegen und sie konnten endlich ihren Wunschkandidaten ins Boot holen. Das einzige, was noch Arbeit mit sich brachte, war die Erschaffung einer passenden Geschichte für die Öffentlichkeit.

Ich bin absolut kein Basel Fan und im Grunde ist es mir egal, was die am Rheinknie wursteln. Doch hatte ich das Gefühl, Bernhard Heusler sei einer von wenigen in diesem Geschäft, welcher seine Arbeit durchaus fair und sympathisch erledigt. Auch Heiko Vogel ist ein Mensch, der mich beeindrucken konnte. Ich freute mich, dass er mit seiner menschlichen und angenehmen Art diese Chance erhält und einen guten Job abliefert. Er hat mit dem FC Basel in der letzten Saison, nach dem überstürzten Abgang von Fink, mehr erreicht, als dass man hätte erwarten können. Dass er nun nach mässigem Start sofort geschasst wird finde ich ungeheuerlich und charakterlos. Schliesslich sind es diejenigen, die nun Heiko Vogel als Sündenbock darstellen, welche einen Spieler nach dem anderen verkauft und bisher noch nicht ausreichend ersetzt haben, obwohl mehr als genug Geld dafür vorhanden wäre.

Wenn ich solche Geschichten aus dem Fussballbusiness höre, bin ich schon fast dankbar, dass meine Knie bereits in den Junioren den Traum einer Karriere als Fussballspieler haben platzen lassen. In so einem unehrlichen und unfairen Umfeld will ich nicht arbeiten müssen.

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